Die Besiedelung Gross Glienickes lässt sich auf die ältere Bronzezeit zurückführen. Noch Mitte des 20.Jahrhunderts gruben Forscher Schwerter, Äxte und Pfeile wendischen Fabrikats aus dem Lehm des Glienicker Plateaus. Hier soll der flüchtende Wendenfürst Jaczo in der Schlacht gegen Albrecht dem Bären sein Schwert verloren haben, so erzählt die Schildhornsage. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1267. Zu dieser Zeit existierte bereits das Rittergut, aus dem der Ort entstand. 100 Jahre später endete die Herrschaft Hans von Falckenrehdes über das Rittergut von Groß Glienicke.

Bevor es für 200 Jahre in den Besitz der Familie von Ribbeck aus dem Westhavelland 1572 gelangt, besaßen das Gut die Brüder Bamme. In der kleinen Kirche im Ort ist Brandenburgs Patronatsherr und Domdechant Hans Georg von Ribbeck zur letzten Ruhe gebettet. In dieser Kirche ist noch heute der von den von Ribbecks gestiftete Barockaltar mit reichen Holzschnitzereien und einer Abendmahlszene, in der Petrus in der Gestalt Hans Georgs von Ribbeck erscheint zu bewundern. Dem Stifter des Barockaltars weihten die dankbaren Glienicker die Glockeninschrift: "1569 ward ich erst neu – 1702 sprang ich entzwey – anno mir half 1703 – der von Ribbeck, Gott steh ihm bey." 

Im Jahre 1769 kaufte die Familie von Winning das Gut, 1812 erwarb es Herr Landefeld, ein ehemaliger Schuster, der als Militärlieferant zu Geld gekommen war. Um 1880 ging es in den Besitz der Familie von Wollank über, die von diesem Rittergut aus eine Art ‚Milchzentrale’ für Spandau und Charlottenburg einrichtete.

Otto von Wollank ließ um 1900 den ‚Erntekindergarten’ erbauen. Hier konnten seine Landarbeiterinnen, aus allen Teilen des Landes, ihre Kinder während der Erntearbeit unterbringen. Diese damals einmalige soziale Einrichtung führte dazu, dass Otto von Wollank von Kaiser Friedrich Willhelm geadelt wurde. Noch heute ist über dem Eingang die Inschrift: ‚Kinderheim des Rittergut von Glienicke – gegründet von O. v. Wollank MDCCCC’ zu lesen. Später wurde der Bau als Schule für die Gutsarbeiterkinder genutzt.

Als der letzte Besitzer der Wollankschen Familie verstarb, verkauften die Erben das Gut an die Volkswohlfahrt der NS. Nach 1944 wurde es von verschiedenen Pächtern bewirtschaftet bis sich dort ab August 1961 mehr und mehr östliche Mauertruppen versammelten.

Die Ortschaft Groß Glienicke, die ausgehend vom Rittergut gelegen am nördlichen Ende, sich rund um den Groß Glienicker See ausgebreitet hatte wurde durch die Teilung Deutschlands zweigeteilt. Die Grenze zwischen Ost und West verlief nun mitten durch den See und somit durch den Ort und das Rittergut. Als bei der Errichtung der Mauer und aller zugehörigen ‚Einrichtungen’ wie z.B. dem Todesstreifen ein Großteil des Ritterguts ‚im Wege stand’ wurden diese Gebäude schlichtweg abgerissen und die die Gebäude bewohnenden Familien umgesiedelt (, das Schloß und die Orangerie fielen schon Jahre vorher Flammen zum Opfer). Erhalten blieben auf östlicher Seite lediglich der Erntekindergarten, die alte Manufaktur, das Potsdamer Tor und neben einem verfallenen Backsteinturmbau, das Familiengrab der von Wollanks im ehemaligen Landschaftspark des Gutes. 

Auf westlicher Seite blieb das Inspektorenhaus mit Spandauer Tor, die alte Brennerei und ein Gärtnereigebäude erhalten. Hier konnten, geduldet durch die britische Militärverwaltung, die Bauern auch nach dem Mauerbau wohnen bleiben. Die Gebäude wurden zur Schaf- und Schweineaufzucht benutzt. 

Auf DDR-Seite wurden die ‚Erntekindergarten’ und die ‚Alte Manufaktur’, die in den Zwanziger Jahren dem Physiker von Kramolin als Labor diente und der hier Radioröhren entwickelte und patentieren ließ, von der Firma Holzapfel und Co. KG, einer Industrielampen produzierenden Firma bezogen. Im Wandel der DDR wurde diese zu einem ‚Volkseigenen Betrieb’ (VEB) Industrieleuchten umgewandelt - eine Außenstelle des DDR-Glühlampenkombinats NARVA (ehemalige Osram-Werke). Hier fand keine Produktion, sondern bis zum Ende der DDR die Montage von Industrielampen statt. 

Mit dem Fall der Mauer und dem einhergehenden wirtschaftlichen Bankrott der DDR und vieler Ihrer ‚Volkseigenen Betriebe’ wurde auch die Lampenmontage in Groß Glienicke eingestellt. Die Gebäude standen leer, wurden Anfang der Neunziger zum einen an die Treuhand, zum anderen an eine Erbengemeinschaft gegeben. Im Eifer der Wiedervereinigung wurden Pläne zum gemeinsamen Wiederaufbau des alten Gutspark geschmiedet. Diese verliefen jedoch im Sande. Die ‚Alte Manufaktur’ und der ‚Erntekindergarten’ blieben sich selbst und den ‚kreativen Ideen’ der Jugend überlassen. Die Fenster und Türen wurden zugemauert, um weiteren Vandalismus zu vermeiden. Die Gebäude wucherten zu. 

Im Sommer 2002 wurden die Gebäude aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und vom Gestrüpp der letzten 10 Jahre befreit. Die Planung sieht eine Wohnbebauung mit einem Einfamilienhaus und zwei Doppelhaushälften vor. Der Umbau des Erntekindergarten (Einfamilienhaus) begann im Februar 2003, der Einzug erfolgte im Oktober 2003. Die "Alte Manufaktur" wird seit August 2003 zu einem attraktiven Doppelhaus umgebaut. Die Fertigstellung wird im 2. Quartal 2004 erfolgen.

Da die ersten Schritte im Gutspark getan sind, mehrt sich das Interesse an diesem Juwel in Gross Glienicke. Erfolgversprechende Bemühungen seitens des "Gross Glienicker Kreis e.V." sehen die Restaurierung des Potsdamer Tors mit Neugierde sowie die Wiederherstellung des Gutsparks vor.